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Herbstzeit - Pilzzeit

Als Kinder hieß es für uns an fast jedem Wochenende ab Anfang Herbst "Wir gehen in die Pilze". Ausgestattet mit Gummistiefeln und Flechtkörben zog unsere Familie los zu "geheimen" Orten im Wald.

Allerdings beschränkten wir uns auf Pilze, die wir ganz genau kannten: Außer den riesigen Parasolschirmen wanderten nur Röhrenpilze (Boletales) oder auch Schwammerl genannt, in unsere Körbe. Hüte mit Lamellen an den Unterseiten, die Blätterpilze (Agaricales), ließen wir prinzipiell stehen auch wenn es darunter viele hervorragende Speisepilze gibt - die Verwechslungsgefahr mit giftigen Vertretern war uns einfach zu groß!

Die Rotkappe links im Bild wird als Speisepilz geschätzt und gehört zu den Röhrenpilzen (Raufußröhrlinge).

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In der Gruppe der Röhrenpilze gibt es eigentlich nur einen wirklich gefährlichen Giftpilz, den Satanspilz (Boletus satanas), dieser verursacht starke gastrointestonale Störungen, allerdings sind tödliche Vergiftungen auch beim Satanspilz noch nicht bekannt geworden. Der Satanspilz ist vom Standort her an wärmebegünstigte Laubwälder mit Kalkboden gebunden, daher relativ selten zu finden und steht auf der Roten Liste. Charakteristisch für den Satanspilz sind der dicklich knollige gelb-rote Stiel, der eine rote Netzzeichnung aufweist und bei Druck schwach blau anläuft, die rötliche Fruchtschicht und der große (bis 25 cm!) weiss-graue Hut.

Ansonsten gibt es bei den Röhrenpilzen zwar ungenießbare Arten doch zumeist verdirbt man sich nur das Pilzgericht wenn einer davon, zum Beispiel der äußerst bittere Gallenröhrling, versehentlich in den Sammelkorb gelangt ist.

Die sporenproduzierende Schicht, das Hymenium liegt bei Blätterpilzen auf Lamellen an der Hutunterseite, anders als bei den Röhrenpilzen: Diese besitzen oft große, fleischige Hüte an deren Unterseite sich die leicht vom Hutfleisch ablösbare Röhrenschicht mit den darin enthaltenen Sporen befindet.
Der Fliegenpilz links ist ein Vertreter der Blätterpilze.

"Den Pilz darf man nicht einfach herausziehen oder -reißen, das verletzt das Myzel"

erklärte unser Vater und verteilte an jeden ein kleines Messer damit die Stiele sauber abgeschnitten werden konnten. Der auf dem Waldboden sichtbare Pilz ist schließlich nur der Fruchtkörper während der eigentliche Pilz sich als feines unterirdisches fadenförmiges Geflecht im Waldboden (oder bei Baumpilzen im Holz) ausbreitet. Dieses Geflecht besteht aus fadenförmigen Zellen, den Hyphen und wird in seiner Gesamtheit als Myzel bezeichnet. Pilzmyzele können sich über Gebiete von erstaunlicher Größe ausdehnen: So entdeckte man zum Beispiel im Jahr 2000 in Oregon einen Hallimasch (Baumpilz, der sich durch den Boden weiter ausbreitet) mit einer Ausdehnung von über 880 Hektar, dessen errechnetes Alter mindestens 2.400 Jahre betrug und der mit einer Masse von ca. 600 Tonnen den Rekord als größtes bekanntes Lebewesen der Erde aufstellte.

Pilze sind äußerst seltsame Lebensformen: So können Sie weder dem Pflanzen- noch dem Tierreich zugeordnet werden. Unsere Wald- oder Baumpilze machen nur einen Bruchteil der bekannten Pilzarten aus. Da gibt es die "nützlichen" Schimmelpilze, die bei vielen Käsesorten für den Geschmack sorgen oder die als Penicillin durch ihre Entdeckung eine Revolution in der Medizin darstellten.

Andere, wie schimmelige Beläge in feuchten Wohnungsecken, können äußerst gesundheitsschädigend sein. Entdeckt man Schimmelpilze in der Wohnung ist Handeln angesagt, denn die Sporen können bekanntlich Asthma und Allergien auslösen.

Wieder andere wie bestimmte Hefepilze werden zum Backen oder zur Vergärung von alkoholischen Getränken benötigt während eine weitere Gattung der Hefepilze, nämlich Candida albicans Pilzinfektionen beim Menschen hervorrufen kann.

Tipps für den Umgang mit Waldpilzen:

Wenn auch nur geringste Zweifel bestehen, sollte man den fraglichen Pilz stehenlassen!

Champignons lieber im Laden kaufen - die Verwechslungsgefahr mit Knollenblätterpilzen ist viel zu hoch!

Den Fund möglichst von einem Pilzkenner überprüfen lassen!

In luftdurchlässigem Behälter aufbewahren und bald nach dem Sammeln verarbeiten!

Ältere und große Exemplare sind häufig von Maden befallen oder faserig!

Beim Putzen nicht mit Wasser waschen sondern vorsichtig abbürsten oder Schmutz mit dem Messer abkratzen!

Durch die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 sind Pilze teilweise (sorten- und standortabhängig) immer noch mit hohen Dosen von Caesium belastet!

Ulrike Hempe

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